Wahlbörsen genauso gut wie Umfragen (Hamburg)

HH Wahl 2008 LogoIch hab mir mal die Mühe gemacht, die Werte aus dem Wahlumfragen im Vorfeld der Hamburger Bürgerschaftswahlen mit denen von zwei (online) Wahlbörsen zu vergleichen. Dabei gibt es aus meiner Sicht zwei wesentliche Ergebnise:

1. Die Wahlbörsen können genauso gut (oder schlecht) wie Umfragen das Wahlergebnis hervorsagen und

2. Die Nähe zum Wahltag hat nicht unbedingt einen größeren Einfluss auf das Ergebnis als die Umfragemethode (bzw. das Umfrageinstitut)

Meine Methodik

Über www.wahlrecht.de/umfragen habe ich die aktuellsten Umfrageergbnisse von vier Quellen (Sat1 (GMS), RTL (election.de), Abendblatt (Psephos), NDR (infratest dimap)) mit denen der zwei Wahlbörsen der Financial Times Deutschland (“FTD-Strategenbörse”) und Frankfurter Rundschau verglichen. Dann habe ich die jeweiligen Abweichungen der einzelnen Parteien addiert. So zeigt die FTD-Strategenbörse eine deutlich bessere Nähe zum Wahlergebnis als die FR. Die gesamte Abweichung der einzelnen Parteien summiert sich bei der FTD auf ca. 5,3%. Den besten Wert unter den konventionellen Umfragen weist Psephos/Hamburger Abendblatt auf (2,6%). RTL/election.de ist ähnlich genau wie die FTD während die anderen beiden Umfragen sowie die FR bei Abweichungen von 8-9,5% liegen.

Auch die Nähe zum Wahltag scheint keinen entscheidenden Einfluss zu haben. So schließen die Wahlbörsen in der Regel unmittelbar vor dem Wahltag, können also auch letzte Trends einpreisen. Auf der anderen Seite sind die Veröffentlichungen von Umfragen in Deutschland nur bis ca. 3-5 Tage vor Wahlen üblich. Sat1/GMS hatte die letzte Umfrage durchgeführt aber auch mit 8% eine der höchsten Abweichungen. Auf der anderen Seite hat der “Umfragesieger” vom Abendblatt seine Umfrage 10 Tage vorher durchgeführt. Die Erklärung für die beste Prognose ist somit eher in der Methodologie der durchführenden Institute zu suchen als in der unmittelbaren Nähe zum Wahltag. Dies ist interessant, weil natürlich die Methoden abweichen aber ein ganz klarer Trend in Europa und Deutschland auszumachen ist, nach dem sich die Wähler immer näher zum Wahltag (und mittlerweile oft erst in den letzten drei Tagen) festlegen.

Die genaueste Prognose zum Ergebnis der Grünen haben übrigens die Händler der FR Börse abgegeben (wobei sie gleichzeitig die Linken am stärksten überschätzt haben). Die Übersicht meiner Berechnung ist hier als Excel Datei einzusehen.

Die FR hat ihre Wahlbörse mittlerweile so gut auf der Website versteckt, dass ich sie gerade nicht mehr finde. Schade.

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