Steuervergleich USA – Deutschland

Congressional Budget OfficeIn der Frankfurter Allgemeinen bin ich vor vor wenigen Tagen über einen interessanten Artikel (“Keine Steuergeschenke an Reche“, 24.12.07) gestolpert. Der Artikel versucht darzustellen, dass trotz der Steuersenkungen von George W. Bush für die Superreichen ihr Anteil am Steueraufkommen noch minimal zugenommen hat. Interessant ist in erster Linie, dass der allergrößte Anteil der US-Einkommensteuern von den (super-)reichen aufgebracht wird. In Zahlen sieht das dann so aus: Das reichste Prozent der Amerikaner zahlt 2005 38,8% der Einkommensteuern, die reichsten 5% zahlen sogar 60,7%, die reichsten 10% zahlen 72,7% und die reichsten 20% (oberste Quintile) zahlt 86,3%. Die beiden am wenigsten verdienenden Quintilen bekommen durch die negative Einkommensteuer sogar noch Geld vom Staat. (Alle Zahlen vom US Congressional Budget Officehier direkt als pdf oder hier auf meiner Website)
Solch eine Verteilung schien mir aus deutscher Perspektive völlig abnormal und darum hab ich durch eine kleine Rechenübung mal versucht herauszubekommen, wie hoch im Vergleich der Anteil der Reichen (Deutschen) am Einkommensteueraufkommen ist. In Deutschland ist es immerhin so, dass die reichsten 20% der Haushaltseinkommen rund 67% der Einkommensteuererträge aufbringt (20% weniger als in den USA), während das reichste Prozent der deutschen Haushalte rund 19,4% (USA: 38,8% – damit halb so hoch) aufbringt.

Fazit: Trotz aller Rufe nach größerer Steuergerechtigkeit und dem Vorurteil, dass die Reichen keine Steuern zahlen, wird sowohl in den USA wie auch in Deutschland der Großteil des Einkommensteueraufkommens von “den Reichen” erwirtschaftet. Dass ihr Anteil am Gesamt(einkommen)steueraufkommen in den USA noch viel höher als in Deutschland liegt, kann nun an zwei Gründen liegen (die sich nicht notwendigerweise ausschließen):

1. Das US Steuersystem hat weniger Schwachstellen, d.h. wer viel Geld verdient, kann sie nicht durch Schlupflöcher den Abgaben entziehen.

2. Die Einkommen der Reichen in den USA sind so viel höher (viele Studien weisen darauf hin, dass die Einkommensverteilung in den USA viel stärker gespreizt ist), dass sie egal bei welchem Steuersatz oder -system trotzdem noch höhere Steuereinnahmen anfallen.

Statistisches BundesamtMeine Berechnungen (Daten für 2003) sind hier nachzuverfolgen. Quelle ist das Statistische Bundesamt.

Neben Berechnung des Einkommensteueraufkommens habe ich auch versucht zu verstehen, wie die “lineare Progression” der deutschen Einkommensteuer funktioniert, bin aber an der sowas von behördlichen Sprache des Bundesfinanzministeriums gescheitert. Die Berechnung meines Steuersatzes bleibt mir darum auch weiterhin ein Mysterium.

One thought on “Steuervergleich USA – Deutschland

  1. Hans-Jörg Heinzmann

    Das heißt im Umkehrschluss aber nur, dass die 50% der “Ärmsten” nix haben, wovon sie Einkommenssteuer bezahlen könnten.

    Steuern müssen sie trotzdem zahlen:
    Mehrwertsteuer, Mineralölsteuer, Kfz-Steuer, Benzinsteuer, Hundesteuer und was es sonst noch so gibt.

    Und sie haben keine Möglichkeit zur “Steuevermeidung”.
    Und bei den Banken in allen Steueroasen brauchen sie gar nicht erst anzuklingeln. Da kommen sie gar nicht erst in die ‘Geschäftsräume’.

    Sie haben meist nicht einmal das Geld um hinzufahren.

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