BDAAnfang März haben die deutschen Arbeitgeberverbände (BDA – auch Sponsor meines Studiums) ein Diskussionspaper zu “Green Jobs” versendet. Nachdem ich zu dem Thema für die Green European Foundation (GEF) schon eine Studie geschrieben hatte, freute ich mich auf eine neue Sicht und frische Anregungen. Leider hatte ich da zu hohe Erwartungen.

Das Papier stellt zu Recht fest, dass es keine klare Definition von Grüner Arbeit gibt. Natürlich muss der Begriff mehr als die Jobs für erneuerbare Energien umfassen und natürlich ist Umweltschutz keine Angelegenheit von gut und böse, sondern alle Industrien stehen vor der Herausforderung einer konstanten ökologischen Neuausrichtung: “Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt [müssen] nachhaltig ausgerichtet werden”. Neben solchen Allgemeinplätzen bleibt das Papier aber sehr unkonkret und entwirft keinerlei Vision für eine aktive Mitgestaltung dieses Prozesses.

Wo kommen denn die zahlreichen “neuen” Grünen Jobs her? Doch nicht weil große Unternehmen von gestern auf heute ihr ökologisches Gewissen entdeckt haben, sondern weil Gesellschaft sich verändert und Politik bestimmte Rahmenbedingungen immer wieder anders gesetzt hat. So klingt es schon sehr ironisch, wenn am Ende des Papiers erwähnt wird “Durch zahlreiche freiwillige Vereinbarungen und Selbstverpflichtungen hat die deutsche Wirtschaft branchenspezifisch wie auch branchenübergreifend seit vielen Jahren effektiv und effizient ihre Verantwortung für den Umweltschutz wahrgenommen.” Wie bitte!? – Wie war das nochmal mit dem Atomausstieg, der nach schwierigen Konzessionen der Politik an die Energieunternehmen am Ende erreicht wurde und heute tagtäglich in Frage gestellt wird? Hat das politische Umlenken von RWE, Eon & co irgendeinen neuen (grünen) Job geschaffen? Oder wie war das nochmal mit der Selbstverpflichtung der Automobilindustrie ihre Schadstoffgrenze perspektiv bis heute auf 120 mg zu senken? Erreicht haben sie es nicht – und im Gegenteil in Brüssel noch starke Lobby gegen ein solches Ziel für 2012 und danach betrieben. – Ja, hätte die deutsche Automobilindustrie ihre ausgezeichneten Ingenieure mal auf diese Frage angesetzt, müsste sie heute auch nicht mit den bestehenden Image- und Absatzproblemen kämpfen!

Letztlich klingt das Papier dann leider doch wieder nur wie ein Lippenbekenntnis ohne einen einzigen konkreten Vorschlag! Schade für Deutschland, dass wir so einen einen visionsarmen Dachverband der Arbeitgeber haben. Dabei gibt es doch so viele dynamische und erfolgreiche Unternehmen, die sowohl im “grünen Kernbereich” (Erneuerbare) wie aber auch im Bereich der Prozessoptimierung und allgemeinen Produktion vormachen, dass es auch anders geht. Welche politischen und unternehmerischen Initiativen haben ihnen geholfen? Soetwas würde ich in einem BDA Papier gerne einmal lesen. Deutschland und seiner Unternehmen muss sich hier wirklich nicht verstecken. Seinen ideenlosen Arbeitgeberverband aber vielleicht schon.

Das BDA Green Jobs Diskussionspaper


Comments

1 Comment so far

  1. Green Industry on April 21, 2009 17:16

    Interessanter Beitrag.

    Ich habe dazu ein paar Thesen:

    1. Das Papier von der Green European Foundation bringt viele Definitionen und Zahlen (heißt daher wohl auch Meta-Studie), aber löst diese vielen Definitionen und Zahlen letztlich nicht auf. Die Frage, was denn nun Green Jobs sind und was nicht, bleibt unklar. Ein Kernergebnis der Studie ist daher auch, dass weitere Forschung erforderlich ist. Ein weiteres Kernergebnis soll ein “Green New Deal” sein, in welchem der Staat massiv Geld ausgibt für “grüne Investments” und “grüne Jobs”. Die kritische Studie vom amerikanischen Institute for Energy Research (http://www.instituteforenergyresearch.org/green-jobs-fact-or-fiction/) wird zwar erwähnt, aber eine Auseinandersetzung mit deren Thesen habe ich nicht in der GEF-Meta-Studie gesehen.

    2. Wenn man Sozialismus grün anstreicht (=Green New Deal), funktioniert er darum nicht besser. D.h. eine wirklich nachhaltige “grüne Wirtschaft” mit “grünen Jobs” bekommt man nur, wenn der Staat und die EU insgesamt die richtigen Rahmenbedingungen setzen, damit private Investitionen in die richtige Richtung fließen. Staatliche Investitionen können die privaten Investitionen aber nicht ersetzen. Beamte waren noch nie gute Investoren und Innovatoren. Zur Frage der richtigen Anreize und Rahmenbedingungen wünschte man sich von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft in der Tat noch weitere Studien bzw. politische Ideen.

    3. Kernenergie ist eine grüne Energie, wenn man mal ihre CO2-Bilanz anschaut. Ein gleichzeitiger Ausstieg aus der Kernenergie sowie aus der Kohle macht keinen Sinn, so lange es keinen geeigneten Ersatz gibt – weder aus ökonomischen noch aus ökologischen Gesichtspunkten.

    4. Das CO2, was bei Autos sehr teuer eingespart werden soll, könnte sehr viel günstiger an anderen Stellen eingespart werden. Marktwirtschaftliche Umweltpolitik sollte dies bedenken und nicht nur einseitig einem weltweit sehr erfolgreichen Industriezweig – gerade in einer wirtschaftlich schwierigen zeit – Belastungen aufbürden, weil Autos ein gutes Feindbild abgeben. Abgesehen davon, sind deutsche Autos sehr viel grüner als viele andere, wenn man die CO2-Werte mit den Leistungen vergleicht. Der Vergleich zu den USA ist sowieso klar. Aber auch innerhalb Europas brauchen sich die deutschen Autos nicht verstecken.

    5. Wieso werden nicht einmal die hervorragenden Einsparungen erwähnt, die der deutsche Maschienenbau sowie die Elektroindustrie in den letzten Jahren in puncto Energieeffizienz erreicht haben? Gerade die globalen Marktführer GE (www.ecomagination.com) und Siemens (http://w1.siemens.com/press/pool/de/events/2009-q1/2009-hv-rede-loescher.pdf) wären hier gute Beispiele für “Green Companies” mit vielen “grünen Jobs” – und noch mehr Potential für die Zukunft!

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